If...

EXIT

 

Sommer in Italien, Genua, August 2001 fühlt sich an wie ein Urlaub, der daneben ging. Abgesehen von einem echten Memento mori ist in den Bilder wenig von einer sommerlichen oder politischen Hitze zu spüren. Die Serie ist ein Katalog der Abwesenheit, eine konzeptuelle Arbeit, die einerseits die Fähigkeit der Fotografie nutzt, sich der Realität anzunähern und andererseits die Fähigkeit unseres Gehirnes, die notwendigen Bildunterschriften und Verbindungen herzustellen. Als solche ist die scheinbar ruhige Oberfläche der Bilder, so wie die Folgerungen aus den zugeschweißten Kanaldeckeln, eine von unterdrückten Bedrohung von in Schach halten, Sicherheitsüberlegungen und von Gewalt. Das hat natürlich mit Interpretation zu tun - mit den Fotografien und dem Kontext.

 

 

Die Serie wurde durch den G8-Gipfel in Genua provoziert und durch das Schicksal der VolxTheaterKarawane. Unterwegs auf einer „No Border No Nation“ Tour, die sich mit Schubhaft, Illegalität und Grenzen beschäftigte, nahmen die Karawane der GlobalisierungskritkerInnen an den Demonstrationen in Genua teil. Die italienische Polizei, die die Kontrolle verloren hatte, rächte sich mit einer Kampagne der Gewalt. Das unabhängige Medienzentrum wurde verwüstet, Computer konfisziert, Verhaftungen vorgenommen und in der Diaz-Schule wurden schlafenden Menschen, manche von ihnen lagen noch in ihren Schlafsäcken, brutal geschlagen. Einem Studenten (Carlo Guiliani) wurde - zweimal - in den Kopf geschossen. Homosexuelle Demonstranten, als Teddybären verkleidet, wurden geschlagen und später behauptete man, sie gehörten zum genannten „schwarzen Block“, der sich in dieser Farbe kleidete.

 

Die Polizei, für die es von Vorteil war, die DemonstrantInnen in den Medien als „professionelle“ UnruhestifterInnen zu bezeichnen, als TerroristInnen vom „schwarzen Block“ und dergleichen, war selbst aber nicht professionell genug, um zwischen Plüschtierkostümen und einem dunklen T-Shirt zu unterscheiden - und wehe dir, wenn dein schwarzes T-Shirt nur ein modisches Statement war; und sie konnten auch nicht unterscheiden zwischen schlafenden DemonstrantInnen und einer unmittelbaren, physischen Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit. Der Punkt hier ist, dass der Aufruhr und die Debatte um die Globalisierung und ihre Konsequenzen, wie der nationale und EU-weite Ruf nach mehr Überwachung von möglichen DemonstrantInnen (Maßnahmen zum Beispiel wie ihre Reisefreiheit einzuschränken) in den Fotos nicht zu sehen sind. Obwohl die fotografische Realität das Territorium (wieder) besetzt, ist ihre Rolle hier beinahe forensisch - Beweismaterial, das Kränze der Erinnerung zu Tage fördert, Blutspuren, Abriegelungen, Aussperrungen und Versiegelungen - sogar Vertuschungen.