...Nachdem sie vom König in Augenschein genommen worden war, konnte man Zarafa nun täglich im Jardin du Roi sehen, Zarafa,
das war eine Giraffe, die Karl X, König von Frankreich vom frz. Generalkonsul in Ägypten geschenkt bekommen hatte. In Äthiopien eingefangen
wurde sie auf einem Kamel nach Sannar gebracht auf dem Blauen Nil von Khartoum nach Kairo transportiert, von Alexandria über das Mittelmeer nach
Marseille, von dort kam sie zu Fuß nach Paris. In den letzten drei Juliwochen des Jahres 1827 kamen ihretwegen 60 000 Leute. Die Kinder, die in
den Parks von Paris spielten, kauften Pfefferkuchen, die die Gestalt der Giraffe hatten. Ihre Mütter trugen ihr Haar à la girafe, das
so hoch aufgetürmt war, daß sie auf dem Boden ihrer Kutschen sitzen mussten. Die Modefarben in diesem Jahr hießen „Giraffenbauch“, „verliebte
Giraffe“, „Giraffe im Exil“. Die Herren trugen „Giraffenhüte“ und „Giraffenschuhbänder“, und ein
Magazin zeigte in einer schematischen Zeichnung, wie die Krawatte à la girafe gebunden wurde.
Überall schlug sich die Zarafamanie nieder - in Textilien und Tapeten, Geschirr und Nippes, Seife, Möbeln und gestutztem Baum- und Buschwerk und immer konnten ihre
typischen Flecken oder ihre Gestalt mit dem langen Hals irgendwie verwendet werden. Das jüngst entwickelte Harfenklavier wurde in „Giraffenklavier“ umbenannt.
Selbst die Grippe dieses Winters hieß nach ihr, und die Personen, die diese Krankheit hatten, wurden gefragt: „Wie geht es der Giraffe?“ ...
Michael Allin |
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